Die Peking kommt nach hause…Teil 2

Willkommen zum zweiten Teil der Überführung der „Peking“ von New York nach Deutschland.

Samstag, 15. Juli

In der darauffolgenden Nacht wurde das Wasser aus den Ballasttanks des Dockschiffes wieder herausgepumpt, die Ladeluke wurde geschlossen und das Schiff hob sich. Für die nächsten Tage wurde die „Peking“ gelascht. Für uns war dies eine gute Gelegenheit eine kleine Auszeit zu nehmen.

 

Mit der Staten Island Ferry machten wir uns auf den Weg nach Manhattan, ins Herz der Metropole.

Was für eine unfassbar geile Stadt! So freundliche und hilfsbereite Menschen. New York pulsiert, es lebt und es herrscht überall eine unglaubliche Atmosphäre. Es gibt so wahnsinnig viel zu gucken und zu entdecken und zwischendurch immer wieder viele schöne und kleine Ecken, die zur Erholung einladen. Millionen Menschen unterschiedlicher Herkunft, von arm bis reich, von Normalos bis hin zum absolut schrägen Typen leben alle vereint in dieser großen Stadt. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich dieser Tag inspiriert und fasziniert hat.

Wir hatten uns zuvor an der Fähre getrennt und waren dann in zwei Gruppen unterwegs. Am Fährterminal war in unmittelbarer Nähe das One World Trade Center zu sehen. Wir entschieden uns aber gegen die typischen Sightseeing Highlights und liefen spontan los Richtung Norden. Nach unzähligen Blocks und mehreren Meilen Fußmarsch trafen wir uns mit den anderen an der 51. Straße in einem Burgerladen, bei dem wir zuvor einen Tisch reserviert hatten. Für rund 25 Dollar habe ich den besten Cheeseburger mit Pommes gegessen, den man sich nur vorstellen kann.

Nach einem tollen Essen und mehreren Bieren machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Time Square, bevor es mit der Fähre wieder zurück nach Staten Island ging.

Ein absolut geiler Tag und ein noch schöneres Erlebnis, welches ich niemals vergessen werde.
Danke NYC, ich komme definitiv wieder!

So blöd das jetzt auch klingen mag, aber ich entschied mich an diesem Tag, meine Kamera nicht mit nach Manhattan zu nehmen. Zu groß war die Gefahr, das mir meine Ausrüstung geklaut wird, runterfällt oder sonst wie kaputt geht. Das wichtigste an dieser Reise war die „Peking“ und Manhattan war für mich nur ein schöner Bonus. Abgesehen davon, war es auch mal ganz schön völlig unbekümmert und frei durch die Straßen von New York gehen zu können, ohne permanent durch den Sucher zu schauen. Dafür habe ich mit meinem Handy rund 300 „Knipsbilder“ gemacht.

Sonntag, 16. Juli

Mit der gesamten Crew und allen Beteiligten aus Deutschland machten wir ein gemeinsames Gruppenfoto im Laderaum vor der „Peking“. Diesen historischen Moment wird es nie wieder geben und für alle Mitglieder ist dies eine wirklich schöne Erinnerung.

Im Anschluss hatte ich für den Rest des Tages genügend Zeit, die Bark im Dockschiff sowie das Laschen zu fotografieren. Nach nur wenigen Minuten vergisst man, das man sich im Laderaum eines Schiffes befindet und nicht in einem Trockendock ist.

Durch Pallen, Kielpallen, Spanngurte, Querpallen, Stützen, Kimmpallen und Kielstützen wurde die Bark bestmöglich für einen sicheren Transport nach Deutschland befestigt und gesichert.

Die „Peking“ durfte während der Überfahrt möglichst keine Eigenbewegung haben, sonst drohte sie zu kippen.

Letzten Endes hatte sie einen Spielraum von 2 Millimetern. So viel durfte sie haben, ohne das etwas passieren konnte.

Anbringen der Seitenstützen, welche zwischen der Bordwand des Dockschiffes und der „Peking“ verschweißt wurden.

Die Außenhaut war übersät von unendlich vielen Muscheln und Algen.

Durch das fehlende Wasser starben die Muscheln ab und vielen im Sekundentakt zu Boden. Wann immer man durch den Laderaum des Dockschiffes lief, knirschte es weil alles voller Muscheln war.

Die gewaltige Heckklappe der „Kombi Dock III“

Neben den Pallen und Stützen wurde das Schiff zusätzlich mit Spanngurten gesichert.

Die Crew war die kommenden 5 Tage mit dem Laschen beschäftigt. Ein zeitaufwendiger aber absolut wichtiger Teil!

Montag, 17. Juli

Ich saß auf dem Außendeck mit Blick auf Staten Island. An Land gab eine Art Party oder Barbecue mit vielen Menschen. Durch mein Teleobjektiv konnte ich eine Band sehen und die Musik war so laut, dass ich sie bis hier hin hören konnte. Ein kleines privates Live-Jazz-Konzert. Sehr cool.

Das Wetter ist ganz anders als bei uns in Deutschland. Wir hatten täglich über 30° mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Nach nur wenigen Minuten fangen die Hände an klebrig zu werden und man ist nach kurzer Zeit komplett durchgeschwitzt. Zum Glück gab es an Bord eine Waschmaschine, ohne die wäre ich komplett aufgeschmissen.

Zwischendurch ergaben sich immer wieder auch andere Motive auf dem Wasser. Hier sieht man die in Papenburg gebaut „Norwegian Breakaway“.

Der tolle Blick auf die Skyline von Manhattan.

Einlaufend die „OOCL Berlin“

Ich kann es nur wiederholen: Was für eine Aussicht!

Mittwoch, 19. Juli

Nach Tagen des langen Wartens ging es heute am Mittwochnachmittag endlich los. Um 16 Uhr kam der Lotse an Bord und wir verließen New York, die „Peking“ für immer. Rund 7.000 Kilometer waren es bis nach Brunsbüttel. Nach ungefähr 9 Tagen sollten wir auf die Küste von Frankreich treffen, dafür mussten wir fünf Zeitzonen durchqueren.

Das Tor zum Atlantik: Die Verrazano Narrows Bridge. Dahinter folgte nichts als Wasser.

Nach drei Stunden auf See war Land schon lange nicht mehr in Sicht. 360° nichts als Wasser und Himmel. Es war immer noch heiß und feucht draußen, die Klamotten klebten an der Haut.

Man hörte nur das Rauschen der Wellen und den Wind. Die See war ruhig aber man spürte, das dass Schiff in Bewegung ist.

Auch wenn ich schon öfters drüber nachgedacht hatte, wurde mir jetzt erst folgendes so richtig bewusst: Die Peking ist Jahre oder sogar mehrere Jahrzehnte lang als Frachtschiff zwischen Europa und Süd Amerika gependelt. Es war die letzte große Fahrt eines Schiffes mit einer langen Tradition. Hinten im Laderaum, verpackt wie ein rohes Ei dass auch ja nichts passieren konnte. Nach dieser letzten Reise und nach der Sanierung in Wewelsfleth, wird sie noch eine allerletzte Fahrt nach Hamburg auf sich nehmen. Das wird dann das allerletzte Mal sein, dass sich die Wellen an ihrem Rumpf brechen und sie sanft über das Wasser gleitet. In Hamburg wurde sie gebaut und dort wird sie im neuen deutschen Hafenmuseum ihre Fahrt für immer beenden. Eine schöne, wenn auch traurige Vorstellung.

Vor dem schlafen gehen habe ich noch ein letzten Mal meine Nase in den Wind gesteckt. Ein Deck unter mir feierten einige der Crewmitglieder ihren scheinbar ersten freien Abend seit langer Zeit. Seitdem ich an Bord war hatten sie nahezu ununterbrochen bei großer Hitze geschuftet. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung mit Musik, guter Laune und vielleicht auch dem ein oder anderen Bier.

Mittlerweile war es Nacht geworden. Um uns herum war nichts als Wasser. In der Ferne sah man ein paar Lichter von anderen Schiffen. Ein Blick nach oben zeigte mir einen wunderschönen und klaren Sternenhimmel. In Hamburg undenkbar. Ich strich die Segel und ging ins Bett. Das schöne war, dass ich am nächsten morgen aufwachen und wissen würde, der Heimat über Nacht ein Stücken näher gekommen zu sein. Gute Nacht…

Freitag, 21. Juli

Es ist jetzt ziemlich genau zwei Tage her, seitdem wir New York verlassen haben. 9 Tage auf See hatten wir noch vor uns. Ich muss mal kurz erwähnen: Ich schwitzte wie ein Schwein! Die letzten Stunden hatte ich unten im Laderaum bei der „Peking“ verbracht. Der Rumpf des Schiffes wurde per Hochdruckreiniger von Millionen von Muscheln befreit.

Dort unten stand die Luft, kein Wind und nur vereinzelt ein paar Sonnenstrahlen. Ein schweißtreibender Job. Ich hatte das Gefühl ich schwitze so viel wie alle anderen zusammen. Mein T-Shirt konnte ich danach auswringen.

Kurze Verschnaufpause für ein Foto

Nur selten schien die Sonne in den Laderaum des Dockschiffes.

Die Sonnenstrahlen, der Wasserdampf sowie die herumfliegenden Muscheln ergaben tolle Motive.

Eine schöne Ansicht wie groß die „Peking“ eigentlich ist.

Die am Boden liegenden Muscheln haben bestialisch gestunken. Später wurden sie alle über Bord geworfen.

An Bord gibt es einen kleinen Laden, eine Art Duty-Free-Shop mit günstigen Preisen. Auf der Liste stand „Corona“ (Bier) und ich bin ziemlich fest davon ausgegangen, das es ein Six Pack war. Stattdessen wurde mir eine ganze Kiste vorbei gebracht.

24 Flaschen gekühltes Corona mitten auf dem Atlantik. Läuft!

Dienstag, 25. Juli

Das Wetter auf dem Atlantik ist wie eine launische und zugleich unberechenbare Diva.

An einem Tag zeigt sich das Meer von seiner schönsten Seite: Ruhige See, blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Über Nacht zieht dann ein Tiefdruckgebiet auf und das Thermometer sinkt innerhalb weniger Stunden von 34 auf 20°. Dann folgen hohe Wellen, raue See mit starkem Wellengang und der Regen peitscht über das Schiff.

Kurz danach bricht dann wieder der Himmel auf und man erlebt einen grandiosen Sonnenuntergang als wäre nichts gewesen.

Am Wochenende geht es weiter mit dem letzten Teil. Die letzten Tage auf See, Land in Sicht, Erreichen der Elbmündung, Ankunft in Brunsbüttel, Ausschwimmen aus dem Dockschiff sowie der Überführung zur Peters Werft.

Hier geht es weiter zu Teil 3

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