Die Peking kommt nach hause…Teil 3

Willkommen zum dritten und somit auch dem letzten Teil meines „Peking“ Abenteuers. Los gehts!

Wie immer begann mein Tag mit einem Blick aus dem Fenster. Ich hatte meine Kammer vorne am Bug und gerade bei Sonnenaufgängen war die Aussicht auf das Meer immer wieder beeindruckend.

Der Tag begann mit einem blauen Himmel und einigen Wolken, angenehmen Temperaturen und einem wunderschönen Atlantik. Schöner kann der erste Anblick am Morgen nicht sein.

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg auf die Brücke. Wie zu erwarten war, gab es am Horizont nichts anderes zu sehen als die unendliche Weite des Atlantiks. Keine Schiffe, kein Land, keine Tiere…nichts!

Man konnte sich einfach in einen Stuhl setzen, ein gutes Buch lesen, dazu ein kaltes Bier trinken und auf den Atlantik starren. Weit weg vom hektischen Alltag in der Heimat. Diesen Luxus hatte ich 11 Tage ohne mir irgendwelche Gedanken über das Leben zuhause machen zu müssen. Es zählte nur das Hier und Jetzt. Natürlich musste ich zwischendurch auch ein bisschen fotografieren, aber hey…es hätte schlimmer kommen können!

Das Zentrum der Macht: Die Brücke der „Combi Dock III“

Die Steuerbord-Nock der Brücke

Wann hat man schonmal die Gelegenheit im Leben, in der Zeit keine Rolle spielt. Während der Überfahrt war es vollkommen egal, ob es Montag, Mittwoch oder Sonntag war. Irgendwann erreicht man sein Ziel und bis dahin hat man keine Verpflichtungen, keine lästigen Angelegenheiten und Aufgaben zu erledigen.

Donnerstag, 27. Juli

Zu später Stunde nach Sonnenuntergang ging es bei leichtem Nieselregen nochmal nach unten in den Laderaum zur „Peking“. Am Abend hatten wir wieder genau das gegenteilige Wetter von gestern. Es war grau, nass und der Wellengang bei Windstärke 6 war deutlich zu spüren.

Neben ein paar Aufnahmen vom Schiff bei Dunkelheit und geringer Beleuchtung ging es mir vor allem um Eines: Die Soundkulisse!

Man hörte, wie die Wellen des Nordatlantiks mit aller Wucht gegen die Bordwände und das Hecktor schlugen. 12 Millimeter Stahl bewahrten mich vor dem sicheren Tod. Im Sekundentakt hörte man diese brachiale Naturgewalt und war sofort eingeschüchtert.

Spannend war vor allem das knartschen der Holzpallen, welche als Stütze und Auflage unter dem Rumpf der „Peking“ angebracht wurden. Man hört förmlich wie sich das Schiff minimal hin und her bewegt, trotz perfekter Sicherung.

Um dies für Euch zu verdeutlichen möchte ich ein Handy Video zeigen. KLICK MICH AN. Dazu muss ich leider gestehen, dass ich bisher nicht weis, wie ich das Video hier einbinden kann. Bisher erscheint es immer nur riesen groß, ich würde es jedoch gern in klein einbetten. Ich arbeite an einer Lösung. Ideen von Euch sind herzlich willkommen! Es geht aber wie gesagt auch nur um den Sound! Ich empfehle daher, den Ton möglichst weit aufzudrehen.

Gruselig oder? Irgendwie macht sich dabei ein komisches Gefühl breit, aber irgendwie ist es auch geil 🙂

Freitag 28. Juli bis Samstag 29. Juli

An diesem Morgen starteten wir an Bord ein letztes kleines Abenteuer. Ausgerüstet mit Sicherheitsgurten hangelten wir uns oberhalb der Bordwand des Dockschiffes bis nach Achtern. Dort stiegen wir auf die gestapelten Lukendeckel, so dass ich ein paar Aufnahmen vom Bug der Peking machen konnte.

Auch wenn ich nun mittlerweile jeden Zentimeter des Schiffes kannte, so war es trotzdem immer noch ein absolut faszinierender Anblick.

Die rostige Außenhaut der „Peking“ könnte auch als gemaltes Kunstwerk durchgehen.

Wir waren knapp 11 Tage auf See, haben mehrere Tausend Kilometer nichts als Wasser und Himmel gesehen. Gegen Nachmittag kam die Durchsage von der Brücke: Land in Sicht!

In weiter Entfernung am Horizont: Die Atlantikküste von Frankreich. Was für ein schönes Gefühl!

Von hier aus waren es nur noch 90 Seemeilen bis nach Antwerpen und weitere 24 Stunden bis nach Brunsbüttel. Die Heimat war in greifbarer Nähe.

Am letzten Abend auf dem Dockschiff dann wieder schlechtes Wetter…

…aber auch ein bedeckter Himmel hat seinen Reiz.

Vor 19 Tagen bin ich in New York gelandet und habe zum ersten Mal die „Peking“ mit eigenen Augen gesehen. Seitdem ist viel passiert mit ebenso vielen tollen und unvergesslichen Eindrücken. An diesem Sonntag sollte für mich das große Projekt vorerst zu Ende gehen. Es waren jetzt nur noch wenige Stunden bis nach Brunsbüttel.

Die Insel Neuwerk war in Sicht.

Hinter uns wurde der Himmel immer dunkler. Wir fuhren förmlich dem schlechten Wetter davon.

Wenig später war der Seelotse in Sicht, der bei „Elbe 1“ zu uns an Bord kam.

Und dann war es soweit. Nach knapp 7.000 Kilometern erreichten wir die Elbmündung und passierten Cuxhaven.

Als wir an der „Alten Liebe“ vorbei fuhren überkam mich plötzlich ein Wechselbad der Gefühle und kurzzeitig hatte ich sogar ein paar Tränen in den Augen. Nach 85 Jahren war die „Peking“ erstmals wieder in heimischen Gewässern unterwegs. All die Strapazen die sie auf sich genommen hatte wurden an diesem Tag belohnt. Fast zuhause!

Das Wetter hatte uns mittlerweile doch eingeholt. Mit 11 Knoten ging es bei Schmuddelwetter weiter Richtung Brunsbüttel.

Vorbei am Nord-Ostsee-Kanal

Kurz vor dem Anlegen haben wir auf der Elbe gedreht

Jetzt waren es nur noch wenige Meter

Fest! Nach 11 Tagen auf See hatte die Peking ihren Liegeplatz in Brunsbüttel erreicht.

Unmittelbar nach der Ankunft begannen das Entlaschen der „Peking“.

Sämtliche Pallen, Spanngurte und Stützen wurden wieder entfernt.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurden die letzten Arbeiten durchgeführt. Das Ausschwimmen begann früh morgens kurz nach Sonnenaufgang.

Dies war mein letztes Bild, welches ich auf dem Dockschiff von der „Peking“ gemacht habe. Die Verholung nach Wewelsfleth konnte ich in Brunsbüttel von einem Kran verfolgen. Von hier hatte man eine tolle Aussicht.

Hinter dem Dockschiff versammelten sich bereits viele Schaulustige auf kleinen Booten und Schiffen um das Manöver live mitverfolgen zu können.

Ein spannender Moment. Zum ersten Mal seit 1932 hatte die „Peking“ wieder Elbwasser unter dem Kiel. Ein schöner Moment!

Und dann ging es eigentlich ganz schnell…

…und die Viermastbark verließ das Dockschiff und machte sich auf den Weg nach Wewelsfleth zu Peters Werft.

Nach der Durchfahrt des Störrsperrwerks waren es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ziel. Kurzzeitig hätte man denken können die Peking fährt aus eigene Kraft, da die Schlepper hinter den Bäumen versteckt waren.

Und schließlich war das Ziel erreicht. Die Peters Werft wird für die nächsten 2-3 Jahre das neue Zuhause der „Peking“. Dort wird sie für rund 26 Millionen Euro restauriert und saniert, bevor sie dann im Jahr 2020 ihren neuen und endgültig letzten Liegeplatz im neuen Deutschen Hafenmuseum in Hamburg einnehmen wird. Bis dahin gibt es jedoch noch eine ganze Menge zu tun!

Tja und dann war plötzlich alles vorbei! Mein großes Abenteuer war zu Ende.

Ich bin unendlich dankbar für diese tolle Reise. Es war ein unglaubliches Erlebnis für mich und ich habe auch eine große Portion Lebenserfahrung dazu gewonnen. Nachträglich hat mich dieses Projekt auch verändert. Man lernt einfach all das „normale“ und alltägliche was man zuhause hat erst so richtig zu schätzen, wenn man es nicht hat.

Nachträglich muss ich all das nun erstmal verarbeiten und darf mich unendlich glücklich schätzen, das ich ein Teil des ganzen sein durfte. Ich bedanke mich an dieser Stelle an alle, die mich bei dieser Reise unterstützt haben und mir mit Rat und Tat zur Seite standen! Des Weiteren bedanke ich mich bei Euch da draußen! Euer Feedback und Eure Resonanz zu diesem Reisebericht und meinen Fotos hat mich sehr bestärkt und auch ein wenig stolz gemacht. Danke!

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