Teil 2 – Wir verlassen den Hafen

Der zweite Tag begann für mich um 06:30 Uhr. Trotz Aufregung und Vorfreude auf den heutigen Tag hatte ich relativ gut geschlafen. Die Containerbrückenfahrer haben die ganze Nacht gearbeitet und einen großen Teil der Stahlboxen gelöscht. Frühstück war von 07:00 – 08:00 Uhr. Da ich nicht der letzte sein wollte, war ich rechtzeitig in der Messe und siehe da, ich war der erste am Frühstückstisch. Mein Platz war am gleichen Tisch, an dem auch der Kapitän und die Offiziere saßen. Das war schon ziemlich cool!

Ich bin am frühen morgen nicht der ganz große Esser, aber frisch gebratenen Speck, Spiegeleier und Rührei waren schon klasse. Das hatte ich nicht erwartet. Normalerweise beginnt mein Tag nur mit einer Tasse Kaffee.

Die geplante Zeit fürs Ablegen war 09:00 Uhr, das Schiff bewegte sich jedoch schon eine Stunde vorher. Da sitzt man gemütlich am Frühstückstisch und bekommt nicht mit mal, wie sich ein 400 Meter langer Koloss aus Stahl in Bewegung setzt. Ich nahm absolut keine Geräusche und kein Wackeln war. Erst bei einem Blick aus dem Fenster registrierte ich, dass sich das Schiff langsam vom Liegeplatz entfernte. Schnell in meine Kammer, Fotoausrüstung geschnappt und ab zum Fahrstuhl. Das Schiff hat insgesamt 10 Stockwerke, sogenannte Decks. Ich habe nachgezählt, wenn man die Treppe benutzt sind es 18 Treppenstufen pro Deck, also mal eben 180 Stufen von ganz unten bis nach ganz oben!

An diesem Dienstagmorgen hatten wir typisches Hamburger Schietwetter, nur eben dieses Mal in Southampton. Feiner Nieselregen mit überwiegend grauem Himmel. Richtig nass wurde es zum Glück jedoch nicht. Die „Georg Forster“ setzte sich langsam von ihrem Liegeplatz ab und drehte dann Steuerbord in die Fahrrinne ein.

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Links liegt das Kreuzfahrtschiff „Nautica“ und rechts viele kleine Segelboote. Genau dazwischen mussten wir durch. Mit Minimalgeschwindigkeit setzten wir uns in Bewegung. Nach vorne sieht das Schiff nicht besonders groß aus, aber wenn man einen Blick auf das vollbeladene Achterdeck wirft, dann erinnert man sich ganz schnell wieder, dass dieser Gigant stolze 400 Meter lang ist.

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Nahezu geräuschlos bewegten wir uns im Hafenbecken, dem sogenannten „Southampton Water“. Bei uns in Hamburg wäre das wohl am ehesten mit dem Köhlbrand zu vergleichen. Zunächst geht es vorbei am Kreuzfahrtschiff „Nautica“, dem RoRo Schiff „Grande Italia“ von der Reederei Grimaldi Lines und der AIDAbella, die auch häufig in Hamburg zu sehen ist. Auf der linken Seite befindet sich eine alte Pier, welche den großen Glanz schon lange hinter sich gelassen hat. Nun rottet sie langsam aber sicher vor sich hin.

Ich konnte von der Brücke aus nicht erkennen, wieviele Schlepper uns begleiteten. Drei oder vier müssten es sein. Links und rechts unseres Schiffes tauchten immer wieder kleine Boote und Hafenfähren auf. An Bord standen viele begeisterte Menschen mit Kamera oder Smartphone in der Hand um ein Foto von unserem großen Containerschiff zu machen.

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Auf dem gegenüberliegenden Ufer kamen große Industrieanlagen zum Vorschein. Alle in unmittelbarer Nähe zum Hafen, teilweise auch mit eigenen Liegeplätzen für Tankschiffe und Bulkcarrier, um die Schiffsladungen direkt an die Industrie weiterleiten zu können.

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Ich habe es nicht direkt mitbekommen, aber ein kleines Segelboot war wohl kurzzeitig in unserem Fahrwasser und hätte im schlimmsten Fall mit uns zusammenstoßen können. Ein großes Containerschiff wie die „Georg Forster“ hat in so einem Fall immer Vorfahrt. Wie der Schiffsführer der kleinen Nussschale gewarnt wurde, sehen Sie hier:

Langsam verließen wir das Hafengebiet. Wir fuhren wir an der kleinen Hafenstadt „Cowes“ vorbei und sahen in weiter Ferne auf der Isle of Wight den ehemaligen Landsitz von Queen Victoria, das sogenannte Osborne House. Seit dem Tod Queen Victorias im Januar 1901, ist das ehemalige Anwesen der britischen Königsfamilie ein Museum und weitestgehend noch im Originalzustand. Da die Distanz zwischen Schiff und Haus zu groß war, habe ich mir ein Foto erspart.

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Die Sonne kam heraus und schien auf unser Achterdeck. Binnen weniger Minuten verzog sich der graue Himmel. Ein letzter Blick auf das englische Festland und ab dann lagen nur noch Wasser, Wolken und unendlich viel Freiheit vor uns.

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Sehen Sie nun noch eine Übersicht der schönsten Bilder vom Auslaufen aus dem Hafen in Southampton in einer Zusammenfassung

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Hier geht es weiter zu Teil 3: Von jetzt an nur noch Wasser