Teil 4 – Der Maschinenraum und eine schlechte Nachricht

Wir haben Mittwoch, den vorerst letzten Tag meiner Reise. Irgendwie gingen die letzten Tage viel zu schnell vorbei, aber ein besonderes Highlight stand noch vor mir. Der Maschinenraum! Um 09:30 Uhr verabredete ich mich mit dem Chief Engineer auf der untersten Ebene des Schiffes. Nach einem kurzen Gespräch ging es auch schon los.

Im Maschinenraum war es trotz Ohrstöpsel unfassbar laut! Die Kommunikation erfolgte bei unserem Rundgang überwiegend per Handzeichen. Hin und wieder ergab sich auch die Möglichkeit, das eine oder andere Wort zu wechseln, aber aufgrund der Laustärke habe ich nur die Hälfte verstanden. Abgesehen davon, bin ich auch kein besonders großer Technikfreak, der die ganzen Prozesse, Abläufe und jeweiligen Funktionen der verschiedenen Bereiche des Maschinenraums versteht. Los gehts!

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Vor drei Jahren war ich bereits im Maschinenraum der CMA CGM Alexander von Humboldt und im Januar diesen Jahres im Maschinenraum an Bord der CSCL Globe bei ihrem Erstanlauf in Hamburg. An beiden offiziellen Presseterminen hatten die Fotografen, Journalisten und Fernsehleute nur ein beschränkten Zugang in den Maschinenraum. Es war strikt vorgegeben, was man sehen darf und was nicht. Das liegt mit Sicherheit auch am knappen Zeitplan, den man an Bord des Schiffes zur Verfügung hat. Ein kompletter Rundgang durch das Herz des Schiffes hat in meinem Fall über zwei Stunden gedauert und ich kann sagen, dass ich schwer begeistert bin! Wenn man noch nie an Bord eines der größten Containerschiffe der Welt gewesen ist, dann kann man sich einfach nicht vorstellen, wie unfassbar groß und umfangreich so ein Maschinenraum sein kann.

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Der untere Teil der Hauptmaschine liegt eine Ebene tiefer

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Die Hauptmaschine erzeugt 87.000 PS. Genügend Energie um eine Kleinstadt mit ausreichend Strom zu versorgen

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Die Aufbereitungsanlage für Kraftstoff und Schmieröl

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Die Antriebswelle

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Kühlaggregate für Öel und Seewasser

Bevor es wieder nach oben an Deck geht, zeige ich Ihnen noch einige weitere Aufnahmen vom Maschinenraum

Nach dieser unglaublich beeindruckenden Tour durch den Maschinenraum ging es wieder nach oben an die frische Luft. Erstmal Mittagessen. Danach gab es machte ich ein kleines Päuschen mit anschließendem Erholungsschlaf in meiner Kammer. Gegen 15 Uhr ging es wieder auf die Brücke. Die beiden mitgereisten deutschen Lotsen nahmen nun ihre Arbeit auf, denn wir waren nicht mehr weit von der Elbmündung entfernt. Auf der Backbordseite konnte ich bereits Helgoland erkennen. Nun sollte es nicht mehr lange dauern, bis wir in den Hamburger Hafen einlaufen würden. Auf diesen Teil der Reise hatte ich mich von Anfang an gefreut.

Der Wetterbericht für den heutigen Abend sagte Regen und Sturm voraus. Vor dem Mittag war das Wetter noch in Ordnung, aber nun merkte auch ich, dass die See etwas rauer wurde. Man spürte förmlich, wie sich das Schiff mit dem Wellengang auf und ab bewegte. Auf der Nock wurde es durch immer stärkeren Wind zunehmend schierig Fotos zu machen. Auch wenn Wind und Wetter unser Schiff beeinträchtigten, so hatten andere kleinere Schiffe im näheren Umfeld deutlich größere Probleme mit dem Wellengang.

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Keine 10 Minuten nach dem offiziellen Dienstbeginn der Elblotsen kam eine schlechte Nachricht, die meine Emotionen erstmal in den Keller schraubte. Wegen des zu starken Windes, inzwischen Windstärke 7 mit Böen bis Stärke 9, war für uns die Einfahrt in die Elbe erstmal untersagt worden. Durch den Funkverkehr zwischen der Lotsenstation und den Lotsen bei uns an Bord, erfuhr ich, dass unser Schiff bei dieser aktuellen Wetterlage aus Sicherheitsgründen nicht in die Elbe fahren durfte. Wir mussten drehen und auf der Außenelbe auf Reede gehen. Dies bedeutete, dass wir eine Zwangspause einlegen mussten, in der Hoffnung, dass sich der Sturm bald wieder legen würde. Wie lange wir warten mussten, war vorerst unklar. Es kann sich um Stunden, aber auch im Tage drehen. Für die Taufe der Georg Forster war dies natürlich ein Problem, denn der ganze Zeitplan würde sich nun verschieben. Die ersten Journalisten sollten bereits am Donnerstagvormittag an Bord kommen. Stand jetzt, 15:30 Uhr, konnten wir keine Prognose abgeben, wann und ob wir überhaupt rechtzeitig in Hamburg ankommen würden. Für mich bedeutete dies erstmal, dass ich den Sonnenuntergang auf der Elbe definitiv verpassen würde. Ich hatte mir natürlich schon bestimmte Motive vorgestellt, die ich fotografieren wollte. Daraus wurde aber erstmal nichts.

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Was mach ich jetzt? Warten? Blieb mir ja nichts anderes übrig. Bis zum Sonnenuntergang hatte ich mich dann noch mal eine runde Schlafen gelegt, vorher passierte ja doch nichts. Viel zu früh bin ich dann wieder auf der Brücke gewesen. Dies sollte die letzte Chance werden, einen hoffentlich besseren Sonnenuntergang als gestern zu erleben. Siehe da, der Wettergott war gnädig.

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Ok, der Wettergott hätte ruhig noch eine Schippe drauf legen können…aber es war definitiv besser als gestern

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Den richtigen knallroten Sonnenuntergang gab es leider nicht. Genau wie am Vortage kamen auch heute Abend wieder einige große Wolken zum Vorschein. Trotz alledem war es ein wunderschöner und beeindruckender Sonnenuntergang.

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Goldenes Licht und ein wunderschönes Schiff, was will man mehr

Hier noch einige weitere Bilder von diesem Abend

Hier geht es weiter zu Teil 4: Das große Finale