Juli 2017 - September 2020

Die PEKING ist zu Hause

Drei Jahre ist es her, als ich an Bord eines Dockschiffes die PEKING auf ihrer letzten großen Reise über den Atlantik begleitet habe. Im Mai wurde die PEKING nach dreijähriger Sanierung  an den neuen Eigentümer, die Stiftung Historische Museen Hamburg, übergeben.

Mein ganz persönlicher Reisebericht über die wundersame Rettung der PEKING mit vielen tollen Einblicken und besonderen Momentaufnahmen. 

Kaum etwas hat mich in den letzten Jahren so sehr fasziniert wie die Rettung der historischen Viermastbark PEKING. Im Jahr 2015 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, die PEKING aus New York zurückzuholen und restaurieren zu lassen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Stiftung Hamburg Maritim mit der fachgerechten Rückholung und der Sanierung des in die Jahre gekommenen Schiffes beauftragt. Sofort war ich Feuer und Flamme und wollte bei der Überführung als Fotograf dabei sein. Diese Reise von New York nach Deutschland musste in meinen Augen unbedingt fotografiert werden. 

Es stellte sich zum damaligen Zeitpunkt jedoch heraus, dass ein Fotograf als Begleitung nicht vorgesehen war, da die exklusiven Bildrechte bereits an ein großes deutsches Magazin verkauft wurden. Dies war für mich natürlich ein gewaltiger Dämpfer und mein großer Wunsch, die PEKING über den Atlantik zu begleiten, war vorerst geplatzt. 

Es vergingen mehr als 12 Monate, ehe sich das Blatt doch noch wendete. Die exklusiven Bildrechte waren zwar vergeben, aber es stellte sich heraus, dass diese erst ab Ankunft in Deutschland zählten. Also ab dem Start der Sanierung in Wewelsfleth. Für die große und letzte Atlantiküberquerung der PEKING gab es für mich eine erneute Hoffnung doch noch dabei sein zu können. Rund vier Wochen vor dem Start erhielt ich die Möglichkeit, mich mit dem Projektleiter der Stiftung Hamburg Maritim zu treffen, um ihm meine Gedanken für eine fotografische Dokumentation zu schildern. Dann ging alles sehr schnell und ich bekam die tolle Möglichkeit, mit in die USA zu fliegen und die PEKING nach Hause zu holen. 

Dies ist nun drei Jahre her und ich möchte im folgenden Beitrag diese unglaubliche Geschichte mit Euch teilen und meine Erlebnisse Revue passieren lassen. 

Am 11. Juli 2017 begann das große Abenteuer mit dem Flug von Hamburg nach New York. Am späten Abend landeten wir am JFK International Airport. Für mich war es das erste Mal überhaupt, dass ich außerhalb Europas war. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, war die hohe Luftfeuchtigkeit wie ein Schlag ins Gesicht. Ich wusste sofort, dass ich in Punkto Klamotten nicht auf diese Hitze vorbereitet war. Mit einem Mietwagen ging es durch die Nacht zum Hotel in Staten Island. Dort in der Nähe wurde die PEKING in einer Werft in den vergangenen Monaten für den Transport nach Deutschland vorbereitet. Bei dröhnender Klimaanlage gingen wir müde ins Bett und freuten uns auf einen ereignisreichen nächsten Tag.

Die PEKING lag an der Pier auf dem Gelände der Caddell Werft in Staten Island. Ganz nebenbei gesagt, verfügt diese Werft über das älteste Trockendock in New York. In den vorherigen Monaten wurde die Viermastbark hier entrümpelt und für den Transport vorbereitet. Unter anderem wurden sämtliche Rahen demontiert.

Bisher kannte ich das Schiff nur aus dem Fernsehen oder aus dem Internet. An diesem Tag sah ich sie zum ersten Mal mit eigenen Augen und der erste Anblick war imposant und erschreckend zugleich. Bereits in der Ferne sah man ihre Masten am Horizont über die Dächer hinausragen. Und dann standen wir vor ihr: 115 Meter lang, 14 Meter breit und trotz ihres desolaten Zustandes einfach wunderschön! So groß und so mächtig hatte ich sie mir nicht vorgestellt. 

Zusammen mit Projektleiter Joachim Kaiser und Alexandre Poirier von der Stiftung Hamburg Maritim starteten wir einen Rundgang über und durch das Schiff, um alles zu begutachten. Hier und da mussten noch ein paar kleine Löcher für den Transport gestopft werden, was die beiden Herren von der Projektleitung übernahmen.

Für mich war es an der Zeit, das Schiff auf eigene Faust zu erkunden, um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Äußerlich sah die PEKING ziemlich heruntergekommen aus, aber insgesamt nicht zu schlecht. Im Inneren des Schiffes bot sich dann ein komplett anderes Bild. Da war der erste Anblick schon ziemlich krass. Abgeblätterte Farbe, Löcher im Boden und in den Wänden, Wasser tropfte vom Deck in die unteren Räumlichkeiten, jede Menge Rost und Dreck. Es wirkte fast wie ein vor langer Zeit gesunkenes Schiff, welches man nun gehoben hat. So etwas hatte ich bis dato noch nie zu sehen bekommen. 

In vielen Bereichen, insbesondere unter Deck, musste man wirklich aufpassen, wo man hin trat. Immer wieder gab es Stellen, an denen man mehrere Meter in die Tiefe hinab stürzen konnte. Der alte Holzboden wurde teilweise mit großen Platten abgedeckt, da die darunterliegende Struktur einfach zu marode war. Absperrbänder markierten besonders gefährliche Bereiche. 

Die Luftfeuchtigkeit war so hoch, dass ich kurzerhand beschlossen hatte, aus meiner guten Jeans eine kurze Hose zu machen. Anders hätte ich die Bullenhitze nicht ausgehalten. Schweißgebadet kroch ich durch die Decks und inspizierte so viele Räumlichkeiten wie möglich. Nahezu 100% der Bilder gelangen nur mit Stativ, da die Lichtverhältnisse im Inneren des Schiffes deutlich schlechter waren, als sie auf den gezeigten Fotos aussehen. Dazu kam immer ein leichtes Schwanken durch die Bewegung des Schiffes, was lange Belichtungszeiten unmöglich machte. Alles eine große Herausforderung.

Bilder aus dem Laderaum tief unten im Schiff gibt es leider keine. Das einzige Licht schien durch diese Öffnung, was zur Folge hatte, dass es dort unten nahezu komplett dunkel war. Im Laderaum selbst war es sehr gespenstisch, zumal man wirklich nicht viel sehen konnte. In den vergangenen Wochen hatte man bereits sämtliche elektrische Leitungen entfernt, so dass eine Ausleuchtung des Laderaums nicht möglich war. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich gerne deutlich mehr Bilder gemacht hätte, aber die Zeit ließ dies einfach nicht zu. Insgesamt waren wir nur zwei Mal für jeweils ein paar Stunden auf der Werft. 

Nur die erste Nacht haben wir im Hotel verbracht. Für die nächsten 3 Wochen bezogen wir unser Quartier auf dem Dockschiff COMBI DOCK III, welches die PEKING Huckepack über den Atlantischen Ozean nach Deutschland gebracht hat. Die COMBI DOCK lag bereits seit wenigen Tagen zwischen Staten Island und Brooklyn vor Anker. 

Im nächsten Schritt wurden die gewaltigen Lukendeckel vom Laderaum entfernt und übereinander gestapelt. In den vergangenen Monaten wurde das hoch komplexe Einschwimmen der PEKING in das Dockschiff der Bremer Reederei Harren Partner optimal geplant und vorbereitet. Per Boot wurden wir vom Festland auf das Dockschiff gefahren und von der dortigen Crew empfangen. 

Und dies war dann für die nächsten knapp 10 Tage meine grandiose Aussicht auf die Skyline von Manhattan. Meine Kammer war winzig, aber zum Schlafen braucht man ja nur ein Bett.  Das Dockschiff lag vor Anker und drehte sich durch die Strömung mehrmals pro Tag um die eigene Achse. Dieser wundervolle Anblick war das Erste, was ich morgens nach dem Aufstehen sah und das Letzte, wenn ich abends wieder ins Bett ging. Tolle Sonnenauf- und Untergänge und in der Ferne leuchteten die Lichter der Stadt. Bisher hatten wir eigentlich großes Glück mit dem Wetter.

Dies sollte sich jedoch noch ändern. Kurzer Hand schlug das Wetter um und wir hatten ausgerechnet an dem so wichtigen Tag, an dem die PEKING ins Dosckschiff Einschwimmen sollte, Regenwetter. In den frühen Morgenstunden saß ich beim Frühstück und genoss mein Spiegelei. Plötzlich hieß es, dass die PEKING bereits in Sicht war. Noch vor Sonnenaufgang machten sich Herr Kaiser und einige Experten von der Crew auf den Weg zur Werft,  um die PEKING mit der Hilfe von Schleppern hinaus auf die Upper Bay zu bugsieren. Leider bei Schmuddelwetter und Regen.

Über Nacht hatte das Dockschiff die Luke geöffnet und das Schiff senkte sich so weit herunter, dass ausreichend Platz war, um die PEKING langsam aber sicher in den dafür vorgesehenen Platz zu manövrieren. 

Ich hatte das große Glück, an diesem Tag von einem Boot aus das Geschehen vom Wasser aus zu verfolgen. So konnten ich aus allen Blickwinkeln das Manöver sehen und fotografieren. Der teils starke Regen war erstmal vergessen, da der nun anstehende Prozess viel zu spannend war.  Diese schönen alten New Yorker Schlepper waren ein absoluter Hingucker. Anders als bei uns in Hamburg konnten diese “Helfer” sich nicht auf dem Teller drehen, was das punktgenaue Ziehen und Drücken nicht einfacher machte. 

Ich meine mich zu erinnern, dass die PEKING am Ende bis auf 2 cm genau dort war, wo sie auch sein sollte. Es war ein absolut spannendes Ereignis zu sehen, wie ein 115 Meter langes Frachtsegelschiff in den Laderaum der COMBI DOCK geschoben wurde. Man darf dabei nicht vergessen, dass die PEKING aus eigener Kraft nicht mithelfen konnte. Das Ganze war nur möglich durch die Schlepper und die zahlreichen Helfer an Bord des Dockschiffes, welche die PEKING mit Leinen und Winden an die richtige Stelle zerrten.  Alle Beteiligten haben meine absolute Hochachtung vor dieser exzellenten Arbeit. 

Das historische Schiff PEKING im Dosckschiff in New York City

Der ganze Vorgang dauerte einige Stunden, bis die PEKING am Ende dann schließlich die optimale Position eingenommen hatte. Über Nacht wurde die Luke wieder geschlossen und das Wasser aus dem Dockschiff gepumpt.

Dies war mein erster kompletter Blick auf die PEKING nach dem gestrigen Einschwimmen. Über Nacht änderte sich auch wieder das Wetter und wir hatten Sonne satt. 

Selbst die Crew der COMBI DOCK war sichtlich begeistert von diesem Anblick. Schwertransporte sind sie zwar gewohnt, aber ein so großes historisches Schiff hatten sie auch noch nicht in ihrem Laderaum. Als Erinnerung hielten wir diesen tollen Moment mit einem besonderen Foto fest. Ausnahmslos alle Crew Mitglieder und Gäste waren für dieses Foto kurzzeitig vor der PEKING zusammengekommen. Dieses Foto ist eine der schönsten Erinnerungen an diese tolle Reise.

In den darauffolgenden Tagen war die Crew mit dem Laschen der wertvollen Fracht beschäftigt. Unter strengen Auflagen eines Gutachters, welcher extra aus Deutschland angereist war, wurde die PEKING mit Hilfe von Pallen, Laschen, Gurten und Stützen für den Transport vorbereitet. Wir Deutschen nutzten diese Zeit für einen spontanen Ausflug nach Manhattan.  

Ich muss es einfach nochmal wiederholen: Es war wieder abartig heiß und mir lief die Suppe nur so herunter. Zum Glück hatte ich meine selbstgemachte kurze Hose dabei.

Der halbe Tag in New York City war toll. Eine unglaubliche Stadt mit vielen besonderen Einblicken und Erinnerungen. Vom One World Trade Center, der Freiheitsstatue, dem Times Square bei Nacht bis hin zu total vollen Straßen haben wir viel gesehen. Was für eine Metropole, aber mir persönlich war es dort eindeutig zu wuselig. Nichts desto trotz möchte ich gerne eines Tages wiederkommen und die Stadt mit ihren zahlreichen Wolkenkratzern und Häuserschluchten fotografieren. Mit der Staten-Island-Fähre ging es spät in der Nacht zurück aufs Festland und von dort wieder per Boot auf die COMBI DOCK. Von nun ging es für die nächsten 15 Tage nicht mehr zurück an Land, erst wieder nach unserer Ankunft in Deutschland.

Das Laschen der PEKING war an so strenge Auflagen gebunden, dass sich die Abfahrt nahezu jeden Tag um einen weiteren Tag verschoben hatte. Irgendwann wurde ich  ungeduldig und wollte endlich die Reise in Richtung Heimat antreten. Vor uns lag die Verrazano-Narrows-Bridge, welche die Einfahrt nach New York bildet. Dahinter liegt für viele tausende Meilen nichts als Wasser und irgendwann kommt dann Europa. Bis dahin war es jedoch noch eine lange Reise.

Irgendwann, ich glaube am 5. oder 6. Tag nach dem Einschwimmen, bekamen wir für den morgigen Tag grünes Licht vom Gutachter für den Start. Unterwegs mussten jedoch noch weitere Maßnahmen getroffen werden, damit wir auch unbeschadet in Deutschland ankommen würden. In mir machte sich sofort ein Gefühl von Abenteuer breit. Eigentlich schon vom ersten Tag an. Morgen geht es los, endlich fahren wir hinaus auf die offene See und irgendwann in 10 oder 11 Tagen werden wir wieder in Deutschland in die Elbe einfahren.

Am letzten Abend saßen wir alle zusammen in der Messe und besprachen die morgige Abfahrt. Uli Patzwahl, ein Reporter und Filmemacher vom NDR, war ebenfalls mit an Bord und drehte einen großartigen Film von der Überfahrt der PEKING. Er brauchte unbedingt eine Szene auf der zu sehen war, wie das Dockschiff unter der Brücke hindurch aufs offene Meer fährt. Auf meiner Foto-Facebook-Seite habe ich spontan einen Aufruf gestartet, ob ich einen Follower aus New York habe, der diese kurze Szene für uns einfangen könnte. Tatsächlich meldete sich jemand und hat mir einen Kontakt zu einem New Yorker Fotografen hergestellt. Wie sich später herausstellte, war der “Vermittler” jemand von den “Freunden der Viermastbark PEKING”. Liebe Grüße an Tillmann Vau und vielen Dank für Deinen spontan Einsatz!

Für die nächsten 7.000 Kilometer (knapp 3.800 nautische Seemeilen) lag nichts als Wasser vor uns. In meiner Kammer dröhnte die Klimaanlage und ich dachte nur: Wie soll man bei dem Lärm nur schlafen? Nach einer Nacht hatte ich mich an das Brummen gewöhnt. Durch den Wellengang auf hoher See rutschte man in seiner Koje immer leicht hin und her. Ich muss sagen, es war wie in den Schlaf gewogen zu werden. Dieses Gefühl war übrigens das Erste was ich vermisst habe, als ich zu Hause wieder in einem richtigen Bett lag.

Während der Überfahrt wurde der Rumpf der PEKING von unendlich vielen Muscheln befreit. Es wurde zumindest am Anfang noch weiter gelascht und einige Gurte nachgezogen. Ich genoss jeden einzelnen Tag auf See. Das Erste was man morgens sah, war die unendliche Weite des Ozeans und abends das Letzte, bevor man sich schlafen legte. Ich verspürte jeden Tag dieses Gefühl von absoluter Freiheit, wenn ich die Wellen und den Himmel sah. Man hatte keinen Stress, keine Termine und keine Verpflichtungen. Es war so ziemlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir um nichts mehr Gedanken machen musste. Man steht morgens auf, geht Frühstücken, etwas Fotografieren und genießt ganz einfach den Rest des Tages.

Abends saßen wir häufig zusammen und spielten Karten, klönten und tranken ein Bier. Es war wirklich eine schöne Zeit an Bord. Wir durchquerten mehrere Zeitzonen, hatten Wetterphasen von gut bis schlecht mit hohen Wellen. Alles lief nach Plan und jeder freute sich auf die Ankunft in Deutschland. 

Nach neun oder zehn Tagen auf See hieß es durch den Lautsprecher: Land in Sicht. Wir erreichten Europa und sahen die Küste Frankreichs. Zum ersten Mal seit dem Verlassen der amerikanischen Küste hatten wir wieder Handyempfang und konnten unsere Lieben zu Hause anrufen. Uns ging es gut, alles verlief nach Plan und es waren nur noch wenige Stunden bis zu unserer Ankunft.

Und dann waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Reiseziel Brunsbüttel. Vor der Elbmündung kam der Lotse zu uns an Bord. Kurzzeitig goss es wie aus Kübeln, aber das Wetter klarte schnell wieder auf. 

Als wir die Kugelbake und wenig später die Alte Liebe in Cuxhaven passierten, machte sich ein unglaublich schönes Gefühl in mir breit und ich vergoss sogar ein paar Tränen. Zum ersten Mal seit 85 Jahren war die PEKING wieder auf der Elbe und der alten Heimat Hamburg ein gewaltiges Stück näher gekommen. 

Wenig später erreichten wir den Hafen von Brunsbüttel. Die lange Reise mit dem Dockschiff über den Atlantik endete hier. Die Crew hatte nun zwei Tage Zeit, die PEKING zu entlaschen, bevor es auf die aller letzte Etappe zur Peters Werft nach Wewelsfleth ging, dann mit Elbwasser unterm eigenen Kiel und der Assistenz von mehreren Schleppern.

Am 19. Juli 2017 startete die PEKING ihre letzte Reise über den Atlantik und erreichte nach rund 7.000 Meilen am 2. August um 09:15 Uhr die Peters Werft in Wewelsfleth an die Stör. Hier wurde sie in den vergangenen drei Jahren fachmännisch saniert und wieder in den Zustand von 1932 versetzt. Auch für mich endete hier das große Abenteuer PEKING. Ab der Werft haben andere Spezialisten das Steuer übernommen und auch aus fotografischer Sicht, gab es andere Kollegen, die diesen Part übernommen haben. Der “Stern” hat kürzlich in der Ausgabe 21 vom 14.05.2020 einen Sonderbericht über die Sanierung auf der Werft veröffentlicht. Ein sehr spannender Artikel mit beeindruckenden Fotos der vergangenen drei Jahre. 

1911 wurde die PEKING bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut und gehörte zu den legendären Flying-P-Linern der Reederei Ferdinand Laeisz. Unter deren Flagge segelte sie 34 mal um Kap Horn. 1932 machte die PEKING ihre letzte Reise unter Segeln und wurde außer Dienst gestellt. Bis 1974 lag sie an der englischen Ostküste unter dem Namen ARETHUSA und wurde zu einem stationären Internats-Schiff umfunktioniert, bevor sie vom South Street Seaport Museum in New York gekauft wurde. Das Museum ließ den Rumpf in Schottland reparieren und schleppte sie danach in die amerikanische Großstadt nach Manhattan. Fortan diente sie als Museeumsschiff. Um die Jahrtausendwende geriet das Museum in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wollte die PEKING verkaufen. Die Viermastbark war zu diesem Zeitpunkt in einem stark restaurierungsbedürftigem Zustand.

Dank der Initiative der Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und Rüdiger Kruse hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im Jahr 2015 beschlossen, Fördermittel für die Sanierung der PEKING bereit zu stellen. Die Überführung und Projektleitung der Restaurierung wurde an die Stiftung Hamburg Maritim übertragen. Den Rest der Geschichte kennt Ihr jetzt.

Um ehrlich zu sein, tat es mir in der Seele weh, dass ich drei Jahre lang keinen Zugang mehr zur PEKING auf der Peters Werft hatte. Auf einmal war alles für mich vorbei. 

Am Tag unser Ankunft in Brunsbüttel hatte ich noch die Möglichkeit, den Fotografen vom Stern kennenzulernen, der die komplette Sanierung fotografieren sollte. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich diesen Job auch gerne übernommen hätte. Die Verträge und Abmachungen wurden jedoch schon lange im Vorfeld geklärt, bevor ich als Fotograf überhaupt ins Spiel kam. Was ich bisher an Fotos von der Sanierung gesehen habe, hat mich wirklich sehr beeindruckt und ich kann es kaum erwarten, wenn die PEKING endlich in Hamburg eintrifft. 

Letztes Jahr im Sommer hatte ich dann aber doch die Möglichkeit, erstmals wieder die PEKING auf der Werft zu besuchen. Ein schönes Gefühl zu sehen, was in der Zwischenzeit alles passiert ist. 

Und nun ist sie nach 2 Jahren und 10 Monaten fertig. Im Nachhinein ist die Zeit doch irgendwie wie im Fluge vergangen. Vor wenigen Tagen wurde die PEKING an ihren neuen Eigentümer, die Stiftung Historische Museen Hamburg, übergeben und soll im Spätsommer diesen Jahres nach Hamburg überführt werden. Dies wird dann ihre allerletzte Reise sein, bevor sie ihren Liegeplatz im Hamburger Hafen einnehmen wird.

In den vergangenen drei Jahren habe ich durch die PEKING viele tolle Menschen kennengelernt und bin über jeden einzelnen Kontakt wirklich sehr dankbar. Es ist einfach toll zu wissen, dass es so viele Menschen gibt, die genau so für die PEKING brennen wie ich. Einen großen Dank möchte ich nochmals an die Stiftung Hamburg Maritim aussprechen, dass ich bei dieser wundervollen Reise mit dabei sein konnte. Dem neuen Eigentümer, die Stiftung Historische Museen Hamburg, möchte ich ebenfalls gratulieren zu diesem tollen Schiff, welches garantiert ein großer Publikumsmagnet in Hamburg werden wird.

Ein besonderes i-Tüpfelchen war die PEKING-Sonderausstellung im Maritimen Museum in der Speicherstadt. Für mich war es eine große Ehre,  rund 30 Großformatdrucke dieser tollen Reise der PEKING ausstellen zu können. Ebenfalls bedanke ich mich bei den Freunden der Viermastbark PEKING sowie allen weiteren Unterstützern.

 

Update / Juni 2020

Kürzlich habe ich für den neuen Eigner der PEKING, die Stiftung Historische Museen Hamburg, Fotoaufnahmen an Bord des Schiffes in Wewelsfleth machen können. Es ist grandios zu sehen, wie sehr sich die PEKING gewandelt hat. Hier ein paar Impressionen.

Mittlerweile steht der Termin für die Überführung nach Hamburg fest. Am Montag den 7. September 2020 kommt der legendäre Flying P-Liner endlich wieder nach Hause und wird zum ersten Mal seit 88 Jahren wieder Elbwasser unterm Kiel haben. Ich werde an Bord eines historischen Schiffes der Stiftung Hamburg Maritim der PEKING entgegen fahren und werde im Nachhinein hier weiterhin darüber berichten. Dann hoffentlich wieder mit neuen spannenden Einblicken von der allerletzten Fahrt auf ihrem Weg in die Heimat.

 

Wir hören uns im September!

Die PEKING ist zu Hause

Nun ist es amtlich! Gestern Abend am 7. September 2020 ist die PEKING nach 88 Jahren endlich wieder nach Hause gekommen. Es ist unfassbar, wie viele Menschen sich auf- und entlang der Elbe versammelt haben, um die historische Viermastbark zu begrüßen. Mir war klar, dass es viele kommen würden, aber so viele war wirklich überwältigend! Es war fast wie ein typischer Hamburger Hafengeburtstag! Unzählige Große und Kleine Schiffe begleiteten die PEKING von der Werft in Wewelsfleth bis hinein in den Hamburger Hafen und es wurden immer mehr. In der Luft kreisten Hubschrauber, Drohnen und sogar ein Segelflugzeug. Alle waren da um Moin Moin zusagen. Ein grandioser Empfang für eine Legende der Weltmeere.

Vor etwas mehr als drei Jahren habe ich die PEKING zum ersten Mal mit meinen eigenen Augen gesehen. Damals noch in einem sehr maroden Zustand auf einer Werft in New York. Trotz der damaligen Verhältnisse war es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick.

Im Anschluss ging es an Bord eines Dockschiffes Huckepack 11 Tage über den Atlantik. Weitere drei Jahre sind vergangen in der die PEKING in Wewelsfleth auf der Peters Werft saniert wurde. Gestern erreichte sie nach 88 Jahren erstmals wieder den Hamburger Hafen, ihre Heimat, wo sie 1911 bei Blohm & Voss gebaut wurde. Eine ergreifende und bewegende Geschichte von einem der letzten Flying P-Liner. 

Für mich war es von Anfang an eine absolute Herzensangelegenheit und ich ich bin unendlich dankbar für jede einzelne Minute, die ich mit diesem tollen Projekt verbringen konnte. Ich bin gespannt was in der Zukunft noch alles passieren wird und wie die Geschichte der PEKING weiter geht. 

 

Herzlichen Dank für Euer Interesse an der Rettung der PEKING. Wenn Ihr diese Legende auch weiterhin unterstützen wollt, könnt Ihr gerne den “Freunden der Viermastbark PEKING” betreten. Wir können jede Form von Unterstützung gebrauchen.

In diesem Sinne Danke und bis bald