JAN SIEG PHOTOGRAPHY

DIE RETTUNG DER PEKING

Im Sommer 2017 ging ich in New York an Bord eines Dockschiffes um die historische Viermastbark PEKING auf ihrer letzten großen Reise über den Atlantik zu begleiten. Nach dreijähriger Sanierung kehrte der Flying P-Liner im Herbst 2020 nach 88 Jahren erstmals zurück in ihren Heimathafen Hamburg.

 

Dieser Reisebericht zeigt spannende Einblicke vom maroden Originalzustand des Schiffes auf der Werft in New York, dokumentiert die Rettung und die letzte Atlantiküberquerung im Dockschiff sowie die fortlaufenden Veränderungen.

Die Rettung der historischen Viermastbark Peking in New York City. Das Frachtsegelschiff befindet sich im Dockschiff Combi Dock 3

Im Jahr 2015 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, die Viermastbark PEKING aus New York zurückzuholen und restaurieren zu lassen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Stiftung Hamburg Maritim mit der fachgerechten Rückholung und der Sanierung des in die Jahre gekommenen Schiffes beauftragt. Ich habe als Fotograf dieses einmalige Projekt begleitet und dokumentiert.

Zwei Jahre später, am 11. Juli 2017 begann die Reise mit dem Flug von Hamburg nach New York. Am späten Abend landeten wir am JFK International Airport. Für mich war es das erste Mal in den Staaten. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, war die hohe Luftfeuchtigkeit wie ein Schlag ins Gesicht. Ich wusste sofort, dass ich in Punkto Klamotten nicht auf diese Hitze vorbereitet war. Mit einem Mietwagen ging es durch die Nacht zum Hotel in Staten Island. Dort in der Nähe wurde die PEKING in einer Werft in den vergangenen Monaten für den Transport nach Deutschland vorbereitet. Bei dröhnender Klimaanlage gingen wir müde ins Bett und freuten uns auf einen ereignisreichen nächsten Tag.

Die PEKING lag zu dieser Zeit an der Pier der Caddell Dry Dock Werft auf Staten Island, deren traditionsreiches Trockendock als das älteste New Yorks gilt. In den Monaten zuvor war die Viermastbark dort von nicht mehr benötigtem Inventar befreit und für ihre bevorstehende Überführung vorbereitet worden. Zu diesen Arbeiten gehörte auch die weitgehende Demontage der Rahen. Nur zwei der noch vorhandenen Rahen stammten aus der ursprünglichen Takelage der PEKING und blieben erhalten. Bei den übrigen handelte es sich um spätere Nachbauten, die während der New Yorker Zeit des Schiffes in einer Fabrik für Straßenlaternen angefertigt worden waren. Da sie für die künftige Wiederherstellung des historischen Riggs nicht mehr benötigt wurden, wurden sie demontiert und entsorgt.

Bisher kannte ich das Schiff nur aus dem Fernsehen oder aus dem Internet. An diesem Tag sah ich sie zum ersten Mal mit eigenen Augen und der erste Anblick war imposant und erschreckend zugleich. Bereits in der Ferne sah man ihre Masten am Horizont über die Dächer hinausragen. Und dann standen wir vor ihr: 115 Meter lang, 14 Meter breit und trotz ihres desolaten Zustandes einfach wunderschön! So groß und so mächtig!

In vielen Bereichen der PEKING, insbesondere unter Deck, war beim Begehen größte Vorsicht geboten. Der jahrzehntelange Verfall hatte deutliche Spuren hinterlassen: An zahlreichen Stellen war der alte Holzboden so stark geschwächt, dass die Gefahr bestand, durch die morschen Planken zu brechen. Andernorts fehlten Teile des Bodens bereits vollständig, sodass sich unvermittelt Öffnungen auftaten, durch die man mehrere Meter tief in die darunterliegenden Decks oder Räume stürzen konnte. Besonders geschädigte Bereiche waren provisorisch mit großformatigen Platten abgedeckt, da die darunterliegende Konstruktion kaum noch tragfähig war. Absperrbänder kennzeichneten jene Stellen, an denen ein gefahrloses Begehen nicht mehr möglich war.

Eine von mehreren Öffnungen führte hinab in den tief im Schiff gelegenen Laderaum der PEKING. Durch sie fiel zugleich das einzige Tageslicht in die darunterliegenden Räume. Je weiter wir hinabstiegen, desto mehr verschwand die Umgebung in nahezu völliger Dunkelheit. Da die elektrischen Leitungen in den Wochen zuvor bereits vollständig entfernt worden waren, gab es keine Möglichkeit mehr, den Laderaum auszuleuchten.

 

So blieb uns lediglich das Licht unserer Handys, mit denen wir uns vorsichtig durch die Dunkelheit bewegten. Viel mehr als der unmittelbar vor uns liegende Bereich war dabei kaum zu erkennen. Jeder Schritt musste mit Bedacht gesetzt werden, denn der Zustand der Böden und Konstruktionen ließ sich im schwachen Licht nur schwer einschätzen. Hinzu kamen Öffnungen und ungesicherte Bereiche, an denen ein Fehltritt einen Sturz aus beträchtlicher Höhe hätte bedeuten können. Das Risiko, sich hier unten schwer zu verletzen, war schlicht zu groß, um sich zusätzlich auf das Fotografieren zu konzentrieren. Daher existieren von diesem Teil unserer Erkundung leider keine Aufnahmen.

 

Nach einem ereignisreichen und vor allem ausgesprochen heißen ersten Tag an Bord der PEKING waren wir schließlich vollkommen durchgeschwitzt. Eine unerwartete Wohltat erwartete uns ausgerechnet an Land: Der Präsident der Caddell-Werft, selbst ein großer Liebhaber der PEKING, stellte uns kurzerhand die Dusche in seinem Büro zur Verfügung. Nach den Stunden in der sommerlichen Hitze und im staubigen Inneren des Schiffes war diese Abkühlung ein wahrer Segen.

 

Für die kommenden drei Wochen bezogen wir anschließend unser Quartier an Bord des Dockschiffes COMBI DOCK III. Jenes Schiff sollte wenig später eine ganz besondere Fracht übernehmen: die PEKING. Huckepack sollte die Viermastbark nach Jahrzehnten in New York den Atlantik überqueren und in ihre alte Heimat Deutschland zurückkehren. 

Im nächsten Schritt wurden die gewaltigen Lukendeckel vom Laderaum entfernt und übereinander gestapelt. In den vergangenen Monaten wurde das hoch komplexe Einschwimmen der PEKING in das Dockschiff der Bremer Reederei Harren und Partner optimal geplant und vorbereitet. Per Boot wurden wir vom Festland auf das Dockschiff gefahren und von der dortigen Crew empfangen. 

Und dies war dann für die nächsten Wochen meine grandiose Aussicht auf die Skyline von Manhattan. Meine Kammer war winzig, aber zum Schlafen braucht man ja nur ein Bett. Das Dockschiff lag vor Anker und drehte sich durch die Strömung mehrmals pro Tag um die eigene Achse. Dieser wundervolle Anblick war das Erste, was ich morgens nach dem Aufstehen sah und das Letzte, wenn ich abends wieder ins Bett ging. Tolle Sonnenauf- und Untergänge und in der Ferne leuchteten die Lichter der Stadt. 

Kurzer Hand schlug das Wetter um und wir hatten ausgerechnet an dem so wichtigen Tag, an dem die PEKING ins Dosckschiff Einschwimmen sollte, Regenwetter. In den frühen Morgenstunden machten sich die Verantwortlichen der Stiftung und einige Experten von der Crew auf den Weg zur Werft, um die PEKING mit der Hilfe von Schleppern hinaus auf die Upper Bay zu bugsieren. 

Über Nacht hatte das Dockschiff die Luke geöffnet und das Schiff senkte sich so weit herunter, dass ausreichend Platz war, um die PEKING langsam aber sicher in den dafür vorgesehenen Platz zu manövrieren. Diese schönen alten New Yorker Schlepper waren ein absoluter Hingucker. Anders als bei den modernen Schleppern bei uns in Hamburg konnten diese alten Schlepper sich nicht „auf dem Teller drehen“, was das punktgenaue Ziehen und Drücken nicht einfacher machte. 

Die PEKING lag am Ende bis auf 2 cm genau dort war, wo sie auch sein sollte. Es war ein absolut spannendes Ereignis, wie ein 115 Meter langes Frachtsegelschiff in den Laderaum der COMBI DOCK geschoben wurde. Man darf dabei nicht vergessen, dass die PEKING aus eigener Kraft nicht mithelfen konnte. Das Ganze war nur möglich durch die Schlepper und die zahlreichen Helfer an Bord des Dockschiffes, welche die PEKING mit Leinen und Winden an die richtige Stelle zerrten. Alle Beteiligten haben meine absolute Hochachtung vor dieser exzellenten Arbeit. 

Der ganze Vorgang dauerte einige Stunden, bis die PEKING am Ende dann schließlich die optimale Position eingenommen hatte. Über Nacht wurde die Luke wieder geschlossen und das Wasser aus dem Dockschiff gepumpt.

Selbst für die erfahrene Besatzung des Dockschiffes bot sich ein außergewöhnlicher Anblick. Schwer- und Spezialtransporte gehörten für die Crew zwar zum Alltag, doch ein historischer Großsegler von den Ausmaßen und der Erscheinung der PEKING hatte wohl auch für sie Seltenheitswert – und erst recht im eigenen Laderaum. Die Begeisterung über diesen besonderen Moment war allen Beteiligten deutlich anzumerken.

 

Zur Erinnerung kamen Crewmitglieder und Gäste noch einmal gemeinsam vor der mächtigen Kulisse der PEKING zusammen. Für einen kurzen Augenblick ruhte die Arbeit, und es entstand ein ganz besonderes Gruppenfoto. Bis heute gehört diese Aufnahme für uns zu den schönsten Erinnerungen an die Reise und an jene außergewöhnlichen Tage an Bord der COMBI DOCK III.

 

In den darauffolgenden Tagen galt die ganze Aufmerksamkeit der sicheren Vorbereitung der PEKING auf die bevorstehende Atlantiküberquerung. Unter den strengen Vorgaben eines eigens aus Deutschland angereisten Gutachters begann die Crew damit, die wertvolle Fracht seefest zu sichern. Mit Pallen und Stützen wurde der Rumpf abgestützt und fixiert; zusätzliche Laschungen und Gurte sorgten dafür, dass sich die Viermastbark während der Überfahrt auch bei schwerem Seegang nicht bewegen konnte. Mit großer Sorgfalt wurde so aus dem historischen Segelschiff eine außergewöhnliche und zugleich empfindliche Schwergutfracht, die sicher über den Atlantik nach Deutschland gelangen sollte.

Vor uns spannte sich die mächtige Verrazzano-Narrows Bridge über die gleichnamige Meerenge – das Tor zwischen dem Hafen von New York und dem offenen Atlantik. Hinter dieser Brücke würde für viele Tausend Meilen nichts mehr vor uns liegen als Wasser. Und irgendwo, weit hinter dem Horizont, Europa. Bis dorthin allerdings war es noch ein weiter Weg.

 

Etwa am fünften oder sechsten Tag nach dem Einschwimmen ins Dockschiff kam schließlich die Nachricht, auf die wir alle gewartet hatten: Der Gutachter gab grünes Licht. Wenn nichts mehr dazwischenkam, sollten wir am nächsten Tag auslaufen.

 

Spätestens in diesem Moment machte sich in mir endgültig dieses besondere Gefühl von Abenteuer brei. Morgen würden wir New York hinter uns lassen und Kurs auf den offenen Atlantik nehmen. Vor uns lagen zehn oder elf Tage auf See. Und irgendwann danach würden wir mit unserer außergewöhnlichen Fracht wieder in heimische Gewässer gelangen und in die Elbe einlaufen.

Für die nächsten 7.000 Kilometerlag nichts als Wasser vor uns. In meiner Kammer dröhnte die Klimaanlage und ich dachte nur: Wie soll man bei dem Lärm nur schlafen? Nach einer Nacht hatte ich mich an das Brummen gewöhnt. Durch den Wellengang auf hoher See rutschte man in seiner Koje immer leicht hin und her. Ich muss sagen, es war wie in den Schlaf gewogen zu werden. Dieses Gefühl war übrigens das Erste was ich vermisst habe, als ich zu Hause wieder in einem richtigen Bett lag.

 

Während der Überfahrt wurde der Rumpf der PEKING von unendlich vielen Muscheln befreit, welche unterwegs zurück in den Ozean gekippt wurden. Der Boden war übersät von diesen kleinen Dingern und sie haben gestunken wie die Pest.

Nach neun oder zehn Tagen auf See ertönte schließlich eine Nachricht über die Bordlautsprecher, auf die wir lange gewartet hatten: „Land in Sicht!“

 

Nach all den Tagen, in denen um uns herum nichts als der endlose Atlantik gelegen hatte, war dieser erste schmale Streifen Land am Horizont ein besonderer Anblick. Für einen kurzen Moment konnte man sich – natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern – ein wenig wie Christoph Kolumbus fühlen, als würde man gerade einen neuen Kontinent entdecken. Nur dass es für uns kein unbekanntes Land war: Wir hatten Europa erreicht. Vor uns zeichnete sich die französische Küste ab.

 

Und noch etwas Vertrautes kehrte zurück. Zum ersten Mal seit dem Verlassen der amerikanischen Küste hatten unsere Handys wieder Empfang. Nach mehr als einer Woche auf dem Atlantik konnten wir endlich wieder unsere Familien und Freunde zu Hause erreichen und ihnen persönlich sagen: Uns geht es gut, die PEKING ist wohlbehalten über den Atlantik gekommen und alles verläuft nach Plan.

Und dann waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Reiseziel Brunsbüttel. Vor der Elbmündung kam der Lotse zu uns an Bord. Kurzzeitig goss es wie aus Kübeln, aber das Wetter klarte schnell wieder auf. 

Als wir die Kugelbake und wenig später die Alte Liebe in Cuxhaven passierten, machte sich ein unglaublich schönes Gefühl in mir breit und ich vergoss sogar ein paar Tränen. Zum ersten Mal seit 85 Jahren war die PEKING wieder auf der Elbe und der alten Heimat Hamburg ein gewaltiges Stück näher gekommen. 

Wenig später erreichten wir den Hafen von Brunsbüttel. Die lange Reise mit dem Dockschiff über den Atlantik endete hier. Die Crew hatte bereits einige Tage zuvor begonnen die PEKING zu entlaschen, bevor es auf die aller letzte Etappe zur Peters Werft nach Wewelsfleth ging, dann mit Elbwasser unterm eigenen Kiel.

Am 19. Juli 2017 startete die PEKING ihre letzte Reise über den Atlantik und erreichte nach rund 7.000 Kilometern am 2. August um 09:15 Uhr die Peters Werft in Wewelsfleth. Hier wurde sie in den vergangenen Jahren fachmännisch saniert und wieder in den Zustand von 1932 versetzt. Auch für mich endete hier vorerst das große Abenteuer PEKING.

 

Ab der Werft haben andere Spezialisten das Steuer übernommen und auch aus fotografischer Sicht, gab es andere Kollegen, die diesen Part übernommen haben. Der „Stern“ hat in der Ausgabe 21 vom 14.05.2020 einen Sonderbericht über die Sanierung auf der Werft veröffentlicht. Ein sehr spannender Artikel mit beeindruckenden Fotos der vergangenen drei Jahre. 

 

1911 wurde die PEKING bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut und gehörte zu den legendären Flying-P-Linern der Reederei Ferdinand Laeisz. Unter deren Flagge segelte sie 34 mal um Kap Horn. 1932 machte die PEKING ihre letzte Reise unter Segeln und wurde außer Dienst gestellt. Bis 1974 lag sie an der englischen Ostküste unter dem Namen ARETHUSA und wurde zu einem stationären Internats-Schiff umfunktioniert, bevor sie vom South Street Seaport Museum in New York gekauft wurde. Das Museum ließ den Rumpf in Schottland reparieren und schleppte sie danach in die amerikanische Großstadt nach Manhattan. Fortan diente sie als Museeumsschiff. Um die Jahrtausendwende geriet das Museum in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wollte die PEKING verkaufen. Die Viermastbark war zu diesem Zeitpunkt in einem stark restaurierungsbedürftigem Zustand.

 

Dank der Initiative der Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und Rüdiger Kruse hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im Jahr 2015 beschlossen, Fördermittel für die Sanierung der PEKING bereit zu stellen. Die Überführung und Projektleitung der Restaurierung wurde an die Stiftung Hamburg Maritim übertragen. Den Rest der Geschichte kennt Ihr jetzt.

Im Sommer 2019 konnte ich im Rahmen eines Werftbesuches erstmals wieder „meine“ PEKING sehen, wenn auch nur kurzweilig. Ein schönes Gefühl, was in der Zwischenzeit alles passiert ist. 

Und nun ist sie nach 2 Jahren und 10 Monaten nahezu fertig. Im Nachhinein ist die Zeit doch irgendwie wie im Fluge vergangen. Vor wenigen Tagen wurde die PEKING an ihren neuen Eigentümer, die Stiftung Historische Museen Hamburg, übergeben und soll im Spätsommer 2020 nach Hamburg überführt werden. Dies wird dann ihre allerletzte Reise sein, bevor sie ihren Liegeplatz im Hamburger Hafen einnehmen wird.

In den vergangenen drei Jahren habe ich durch die PEKING viele tolle Menschen kennengelernt und bin über jeden einzelnen Kontakt wirklich sehr dankbar. Einen großen Dank möchte ich an die Stiftung Hamburg Maritim aussprechen, dass ich dieses tolle Projekt als Fotograf begleiten konnte. Dem neuen Eigentümer, die Stiftung Historische Museen Hamburg, möchte ich ebenfalls gratulieren zu diesem tollen Schiff, welches garantiert ein großer Publikumsmagnet in Hamburg werden wird.

 

Ein besonderes i-Tüpfelchen war die PEKING-Sonderausstellung im Maritimen Museum in der Hamburger Speicherstadt. Für mich war es eine große Ehre, rund 30 Großformatdrucke dieser tollen Reise der PEKING ausstellen zu können. 

Update / Juni 2020

Kürzlich habe ich für den neuen Eigner der PEKING, die SHMH, Fotoaufnahmen an Bord des Schiffes in Wewelsfleth machen können. Es ist grandios zu sehen, wie sehr sich die PEKING gewandelt hat. Hier ein paar Impressionen.

Mittlerweile steht der Termin für die Überführung nach Hamburg fest. Am Montag den 7. September 2020 kommt der legendäre Flying P-Liner endlich wieder nach Hause und wird zum ersten Mal seit 88 Jahren wieder Hamburger Elbwasser unterm Kiel haben. Ich werde an Bord eines historischen Schiffes der Stiftung Hamburg Maritim der PEKING entgegen fahren und werde im Nachhinein hier weiterhin darüber berichten. Dann hoffentlich wieder mit neuen spannenden Einblicken von der allerletzten Fahrt auf ihrem Weg in die Heimat.

Wir hören uns im September!

Die PEKING ist zu Hause

Nun ist es amtlich! Gestern Abend am 7. September 2020 ist die PEKING nach 88 Jahren endlich wieder nach Hause gekommen. Es ist unfassbar, wie viele Menschen sich auf- und entlang der Elbe versammelt haben, um die historische Viermastbark zu begrüßen. Mir war klar, dass viele kommen würden, aber so viele war wirklich überwältigend! Es war fast wie ein typischer Hamburger Hafengeburtstag! Unzählige Große und Kleine Schiffe begleiteten die PEKING von der Werft in Wewelsfleth bis hinein in den Hamburger Hafen und es wurden immer mehr. In der Luft kreisten Hubschrauber, Drohnen und sogar ein Segelflugzeug. Alle waren da um Moin zusagen. Ein grandioser Empfang für eine Legende der Weltmeere.

Update April 2022

Seit Anfang April kann die PEKING in kleinen Gruppen besichtigt werden. Geleitet werden die Führungen durch zuvor geschultes Personal von den „Freunden der PEKING“. Corona bedingt können aktuell nur maximal 10 Personen pro Gruppe an Bord. Weitere Informationen zur Baustellenführung an Bord findet Ihr auf der Seite der SHMH.

Update September 2022

In den vergangenen Tagen wurde die PEKING an zwei neue Dalben verholt. Dafür musste das Schiff  um wenige Meter nach Steuerbord bewegt werden. Nun liegt sie etwas weiter von der Kaimauer entfernt und genießt einen besseren Schutz als zuvor. 

Darüber, wie der der zukünftige Liegeplatz der PEKING einmal konkret aussehen wird, gibt es zum gegenwertigen Zeitpunkt noch keine verlässlichen Informationen. Im ehemaligen Hafengebiet an der angrenzenden Speicherstadt entsteht seit den frühen 2000er Jahren die HafenCity. Auf dem Grasbrook wird ebenfalls ein komplett neuer Stadtteil entstehen. Dort, wo einst das ehemalige HHLA Überseezentrum stand, wird in den kommenden Jahren die HafenCity erweitert und das neue deutsche Hafenmuseum entstehen. Die PEKING wird dann dort ihren finalen Liegeplatz einnehmen. 

Update April 2024

So sieht die aktuelle Lage auf dem Grasbrook aus. Am Ende der Fläche, oben links mittig, entsteht in den kommenden Jahren das neue Deutsche Hafenmuseum mit dem neuen Liegeplatz der PEKING. 

Update MAI 2024

Nachdem die Freunde der PEKING die Möblierung des Kartenhauses finanziell ermöglicht haben, werden wir uns in diesem Jahr an der Beschaffung und FInanzierung der Innenausstattung des Brückenhauses beteiligen. Dabei geht es vor allem um fehlende Inhalte und Utensilien für die Räumlichkeiten.

In den vergangenen Monaten ist wieder wahnsinnig viel passiert. So viel das ich es gar nicht alles in Worte fassen kann. Aktuell finden der Innenausbau des Schiffes statt. Das Kartenhaus ist zur Zeit in der Restauration und soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Dank des großen Einsatzes unseres Vereins, Freunde der PEKING, konnte bereits einiges an Mobiliar und Inventar installiert werden. Dazu gehören z.B. eine Kompasssäule, ein restaurierter Kartentisch, ein Sofa sowie ein Kleiderschrank im Kartenhaus. 

 

Bei meiner Ankunft 2017 in New York auf der Werft, war das Kartenhaus unsere erste Anlaufstelle an Bord und damals war es nahezu komplett leer. Es ist schon sehr beeindruckend was mit viel Engagement und Leidenschaft alles möglich ist, und zwar alles als Ehrenamt. 

Nachdem die Freunde der PEKING die Möblierung des Kartenhauses finanziell ermöglicht haben, werden wir uns in diesem Jahr an der Beschaffung und FInanzierung der Innenausstattung des Brückenhauses beteiligen. Dabei geht es vor allem um fehlende Inhalte und Utensilien für die Räumlichkeiten.

Die PEKING hatte drei verschiedene Typen von Rettungsbooten, u.a. zwei metallerne Francis-Boote. Ein ehemaliges hat der Verein in Berlin bei einem Antiquitäten-Händler gefunden. Dieses Boot ist aus Eisen, das genietet ist. Es muss komplett restauriert werden und wird in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr fertig werden. ´Nach fertiger Restaurierung ist geplant, das Boot an Steuerbordseite an Bord zu installieren. 

 

Auch ein neuer bzw. alter Anker hat einen Weg auf die PEKING gefunden. Als die Viermastbark 2017 Huckepack  im Dockschiff über den Atlantik nach Deutschland gebracht wurde, hatte sie von zwei Bugankern noch lediglich einen. Der andere ist irgendwann verschollen gegangen. Der neue Anker gehörte ursprünglich dem Schwesterschiff PAMIR, welches den Anker 1951 bei einem Manöver in der Lübecker Bucht verlor. Er wurde später gehoben aber kam nicht zurück an Bord, sondern fand einen neuen Platz in der Nähe der PASSAT. Unser Verein hat sich für die Beschaffung dieses Ankers eingesetzt und die Peters-Werft in Wewelsflet, welche auch die Sanierung der PEKING durchführte, hat den Anker wieder aufbereitet. Im Dezember 2023 wurde der Steuerbordanker auf der PEKING installiert. 

Update Oktober 2025

Seit langer Zeit war ich endlich mal wieder auf der Peking um mir den fortschreitenden Innenausbau anzuschauen. Bei typisch norddeutschem Wetter machte ich mich auf in den Museumshafen an den 50er Schuppen. Wie immer war es ein schönes und besonderes Gefühl, wieder an Bord zu gehen. Neben der klassischen Frage „was gibt’s an neuen Motiven“, habe ich dieses mal auch ein paar Vorher- / Nachher- Fotos gemacht, um den grandiosen Wandel durch die Sanierung nochmals deutlich hervorzuheben.

Links die Original Ankerwinde aus Eisenguss von 1911. Angetrieben wird sie über den Gangspill auf der Back mit Muskelkraft und optional mit Unterstützung durch einen Gnommotor. Rechts sieht man die Ankerwinde aufgearbeitet und neu lackiert – mehr geht nicht, weil eine Demontage dieser Guss-Konstruktion viel zu riskant war. Links und rechts die Bandbremsen für den Backboar- bzw. Steuerbord-Anker. 

Die Halterung des Bugspriet in der Versteifungskonstruktion unter der Back. Den ausgewechselten Bugspriet kann man im Schuppen 52 besichtigen. Der alte Bugspriet war eine Nietkonstruktion. Der neue Bugspriet ist eine Schweißkonstruktion.

 

Links und rechts die Ankerketten durch die Klüsen nach außen geführt. Hinter der Kranachse die Luke zum Kabelgatt, dem Aufbewahrungsraum für Reparaturmaterialien, Balken, Tampen, Stahlseile etc.

Hier befinden wir uns ganz hinten auf dem Schiff unterhalb der Notsteueranlage (Hilfssteuerrad). Die Achterpiek mit der Achse des Ruders im Heck, durchgeführt nach oben auf die Poop zum Ersatzruderstand. Die Toilette (links) und die Holzverkleidung waren nicht original und wurden später entfernt. Das Achterpiek neu lackiert. Auch wieder schwarz die Achse, an der das Ruderblatt befestigt ist.

Der überholte Ersatzruderstand mit Persenning und Schutzhüllen für Steuerstand und Oberlichter, alles mit neuem Anstrich.

Das linke Bild entstand irgendwo unter Deck auf der Steuerbordseite. Heute ist es sehr schwierig nachzuvollziehen, wo sich dieser Raum befunden hat. Als ich in New York war, waren die Räumlichkeiten an Bord größer, als sie es jetzt nach der Sanierung erscheinen. Rechts eine der 4 Offizierskammern kurz vor Fertigstellung und bevorstehender Ausstattung mit Mobiliar.

Links sieht man die Luke 3 mit nachträglich eingebautem Niedergang zum Zwischendeck aus der Arethusa-Zeit. Im Hintergrund auf dem Brückendeck das Kartenhaus. Entstanden ist das erste Bild 2017 in New York.

 

Die nachgebaute Luke 3 als Schweißkontruktio, links von ihr der Laufsteg – eine Verbindung zwischen den „Inseln“. Dahinter sieht man noch den gläsernen Aufbau des Fahrstuhls.

Alles im Blick von der Back aus. Die 4 genieteten Original-Masten, der Laufsteg über Luke 2, die Wanten in schwarzweiß und das Brückendeck mit dem Kartenhaus im Hintergrund. Auf dem linken Bild ist die Luke nicht zu sehen, da diese während des Umbaus in England zum Internatsschiff „Arethusa“ entfernt wurde. Erst später auf der Peters Werft wurde sie während der Sanierung wieder rekonstruiert. Links im Bild sieht man auf dem Deck liegend übrigens die beiden einzigen original Rahen, welche nicht verschrottet wurden. Alle anderen sind Nachbauten.

Hier hat sich einiges verändert. Es wurden zahlreiche neue Wände eingezogen um die Räumlichkeiten vom historischen Zustand von 1927 – 1932 wieder herzustellen. Hinten links befand sich ein Mannschaftsraum, der in den letzten Wochen und Monaten wieder Einzug gefunden hat.

Links ist der Mannschaftsraum noch nicht zu sehen. Dieses Bild stammt aus dem April 2024. Rechts daneben der backbord-Mannschaftsraum im neuen Anstrich und mit wiederhergestellter Ausstattung von 6 Doppelstock-Kojen im Oktober 2025.

Aus dieser Perspektive gibt es von mir leider kein Motiv aus der Zeit vor der Sanierung. Das linke Bild zeigt den langen Flur – die Verbindung zwischen dem vorderen und achteren Hauptdeck. Hinten links ist der Niedergang vom Kartenhaus. Auf dem Boden sind die provisorischen Umrisse der Offizierskammern im November 2021 zu sehen, rechts im Bild sind stand heute die Räumlichkeiten bereits fertig. Ganz rechts sieht man ebenfalls, das mit dem Innenausbau der Kammern begonnen wurde.

Die PEKING ist aktuell im Winterschlaf und kann ab dem Frühjahr 2026 wieder besichtigt werden

Im kommenden Jahr geht es hier nach dem Saisonauftakt weiter mit neuen Bildern. Bis dahin wünsche ich schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr

FRÜHJAHR 2026

Der Innenausbau schreitet in großen Schritten voran, wozu es demnächst neue Impressionen gibt. Zudem startet die neue Saison direkt mit einem besonderen Highlight. Die PEKING hat drei neue Attraktionen für den Außenbereich bekommen. Mit einem Kran wurden ein Rettungsboot, ein Heckanker sowie ein aufwendig sanierter Gnom Motor an Bord des Schiffes gehoben.